Trouble Every Day

Shane, ein junger amerikanischer Wissenschaftler, schlägt seiner Frau June vor, nach Paris zu fliegen. Eine Art Hochzeitsreise. Doch bereits im Flugzeug überkommt ihn die Angst. Shane hat June belogen: Er muss in Paris unbedingt den Arzt Léo Sémeneau treffen, dessen Assistent er früher war. Es ist eine Frage auf Leben und Tod, denn Léo ist der Einzige, der Shane heilen kann. Doch Léo ist verschwunden. Ein introvertiert wirkender Amerikaner und seine junge Frau fliegen scheinbar in entspannende, geruhsame Flitterwochen nach Paris. Doch aus der trauten Zweisamkeit an der Seine und im HoteI wird trotz vieler versuchter Zärtlichkeitsbezeugungen nichts. Der Mann hat nämlich ein quälendes Problem mit seiner Libido und sucht verzweifelt den Kontakt zu einem mysteriösen Arzt, von dem er sich Hilfe verspricht. Doch er steuert stattdessen auf eine seltsame, katzenhafte Frau mit vampirähnlichen Zügen zu. Aus dieser verstörenden Konstellation heraus entwickelt Regisseurin Claire Denis ein spannungsvolles, erotisches Psychodrama. Die betörenden Bildkompositionen der Kamerafrau Agnès Godard werden untermalt vom düster-melancholischen und magischen Soundtrack der britischen Band Tindersticks. (Michel Lang) Die «negative zone», die verkehrte Welt, ist der Bereich der Irritation, der verstörten Verschiebung der Verhältnisse. Die »negative zone« ist die Realität, wie man sie nicht haben will. Das stellt einmal mehr die Frage nach der Abbildbarkeit der Realität und der Authentizität ihrer Erfahrung. Das Authentische ist vor allem (das wusste schon Nietzsche) der Schmerz. Der Hunger und Schmerz der Vampire in Claire Denis Trouble Every Day , die sich, wie Vincent Gallo neben seiner, neben ihren Ehefrauen im Bett winden, weil sie nicht mit ihr schlafen können, ohne sie zu töten, was sie nicht wollen, und sich mit Zigaretten und Tabletten beruhigen. Der Schmerz und die Schreie der Opfer, wenn der Vampirhunger dann doch zu groß wird.

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FSK n.n. / 101 MINUTEN