| Liebe Kinogäste, in der neuen Kinowoche nehmen wir sie mit auf eine Reise durch die Zeiten: „Ich möchte nicht den Friedens-Nobelpreis gewinnen“, sagt Wladimir Putin in Der Magier im Kreml – der einzige Moment im Film, der unwillkürlich ein Lächeln hervorruft, weil man an einen anderen Imperialisten denken muss, der sich so sehr nach dieser Auszeichnung sehnte. Ansonsten ist der Film von Olivier Assayas (Personal Shopper) vor allem erschütternd: Er zeigt detailliert, wie das russische System umgekrempelt wurde und wie aus Jahren der Hoffnung auf Freiheit ein Wiedererstarken des Autoritarismus möglich war. Über 20 Jahre Geschichte in zweieinhalb Stunden zu verdichten, ist keine leichte Aufgabe. Doch Assayas und seinem Ko-Autor Emmanuel Carrère gelingt es fast mühelos. Sie treiben die Handlung konsequent voran und zeichnen das Psychogramm eines Machtmenschen, den viele unterstützt haben. In History of Sound von Oliver Hermanus (Moffie) weht nicht selten eine Prise Brokeback Mountain durch die idyllischen Naturkulissen. Die poetische Lovestory erzählt von zwei jungen Musikliebhabern, Lionel und David, die sich auf eine Reise durch die US-Provinz begeben, um die Lieder und Geschichten der Menschen zu dokumentieren. Nach einem Streit verlieren sie sich aus den Augen. Jahre später macht sich Lionel auf die Suche nach seinem Freund und stößt auf überraschende Erkenntnisse. Einfallsreich erzählt, originell inszeniert und großartig gespielt. Hermanus lässt sich bewusst Zeit, diese Geschichte von Freundschaft, Liebe und Leidenschaft stimmungsvoll zu entwickeln – mit psychologischer Präzision und emotionaler Plausibilität. Das geheime Stockwerk von Norbert Lechner ist ein warmherziges und spannendes Kinoerlebnis für die ganze Familie – und eine Einladung, Geschichte als Verantwortung im Heute zu begreifen. Es geht um einen Jungen, dessen Eltern ein altes Hotel in den Bergen gekauft haben. Statt ihnen beim Renovieren zu helfen, streift Karli durch die Gänge und Stockwerke und entdeckt einen Lastenaufzug, der ihn direkt ins Jahr 1938 bringt. Lechner nutzt das Hotel klug als Mikrokosmos: In den Gängen begegnen sich Personal und Gäste, Klassenunterschiede werden sichtbar, und die politischen Verwerfungen der Zeit spiegeln sich bis in die letzten Zimmer wider. Den Drehbuchautorinnen Antonia Rothe-Liermann und Katrin Milhahn gelingt das Kunststück, historische Fakten und den menschlichen Kern dahinter in der richtigen Dosis zu verbinden. Gehen Sie mit uns auf Entdeckungsreise – durch die Zeiten, in Abgründe und Verwerfungen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch! |