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Die Blume der Hausfrau

 

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Es gibt keinen aktuellen Spielplan.
 
Deutschland
1997
0 min
FSK: 0
Es ist eine Sekte, ihr Gott schickt nur schwäbisch sprechende Abgesandte, die von Dingen wie dem
Modul 4 sprechen, man imponiert ihm (der die Namen Vorwerk und Kobold trägt), indem man
Punkte sammelt. Der Weg zu den Geldbeuteln der zu Missionierenden ist hart und auch wenn man
einen mächtigen Gott im Rücken hat und eindrucksvolles psychologisches Training: vor dem Kunden
ist man jedesmal wieder völlig allein.
Nun, nicht völlig. Im Gepäck ist die Blume der Hausfrau, ist rätselhafter und eßbarer Zellulose-Staub,
sind Geräte, die saugen, putzen, die man knicken und zusammenbasteln kann. Letztlich aber hilft
einem angesichts des seltsamen, s e h r seltsamen, Wesens, das Kunde heißt, nur eines: eine große
Klappe und ein sicheres Gespür für manipulative Redeführung. Es gilt, Kühlschränke an Eskimos zu
verkaufen, nämlich unglaublich überteuertes Teppichreinigungsgerät an Leute, die eher kein Geld übrig
haben. Das Wesen des Kapitalismus (ein anderer Name des Gottes, wie in der Schulung klipp und
klar gesagt wird) wird in seinen Personifkationen vorgeführt. Einmal dem Klingeln der Türglocke ge-
folgt, dem süßen, italienisch-schwäbischen Säuseln der Verführung nachgegeben, vergeht einem Hören
und Sehen angesichts der immer mächtiger erstarkenden Bedürfnisse, von denen man zuvor noch nichts,
gar nichts, wußte, die nun aber nur noch mit dem Kauf eines Geräts zu stillen sind. Eines Geräts, dessen
komplette Bescheuertheit für die Aufladbarkeit des letzten Schrotts mit dem, was fromm Gebrauchswert
heißt, steht, manchmal auch fliegt.
Dominik Wesselys Dokumentation dieses Sektenkosmos ist makellos, die tragischen Obertöne der
vorgeführten Verhältnisse werden im Musikeinsatz (und einer raffinierten Dramaturgie) genauso ausge-
spielt wie die, allerdings letztlich immer bitter traurige, Komik, die im so notwendigen wie unerträglichen
Ernst dieser Leben nicht verborgen, sondern allzu offensichtlich ist. Vorgeführt werden diese Figuren
nicht in denunzierender Absicht - sie denunzieren sich selbst und, a fortiori, die Verhältnisse, unter
denen die größten Arschlöcher die dicksten Kartoffeln kriegen. Der loser, die einzige Gestalt, mit der
man sympathisieren kann (selig sind die, die arm sind in der erreichten Punktzahl), steht dafür, daß
innerhalb dieses falschen Sektenlebens es kein richtiges geben kann. Der gezeigte Verhängniszusam-
menhang ist ein totaler.