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Bruderkuss

Das  Angebot des Filmfestes Cottbus, das Programm nachzuspielen, konnten wir nicht ablehnen. Die Reihe richtet sich nicht nur an Cinéasten, sondern an ein zeitgeschichtlich und politisch interessiertes Publikum aller Altersgruppen. Wir freuen uns auf Sie!

Bruderkuss - Vision und Alltag im Sozialismus...

...ist anlässlich "100 Jahre Oktoberrevolution" die filmische Reflexion des Alltags vor und nach dem Mauerfall in den Staaten des sozialistischen Einflussbereichs.

Mit der "Oktoberrevolution" festigten die Bolschewisten ihre Macht im revolutionären Russland. Der Weg war frei für eine Regierungspraxis, die in den kommenden Jahrzehnten den Sozialismus in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas prägen sollte. Doch schon bald zeigte sich eine Kluft zwischen Vision und Alltag. Das osteuropäische Kino brachte diese Widersprüche, mal „zwischen den Zeilen“, mal als offene Satire, auf den Punkt.

Neben künstlerischen Beiträgen sind auch zeitgenössische Klassiker wie Andrzej Wajdas DER MANN AUS MARMOR (1976) oder Péter Bascós Satire DER ZEUGE (1969/77) im Programm enthalten.

 

Kapitel 1

Der Mensch zwischen Ideologie und Geschichte

Film: Tagebuch für meine Kinder

Am 29. Januar um 18.30 Uhr/ Ungarische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

In vier Spielfilmen arbeitete Márta Mészáros ihre eigene Biografie und die politische Entwicklung auf. Als Kind kommunistischer Eltern wuchs sie in der Sowjetunion auf. Ihr Vater, ein bekannter ungarischer Bildhauer, wurde Opfer des stalinistischen Terrors. Nach dem Tod der Mutter nahmen die Genossen das Schulkind in das nun sozialistische Ungarn mit nach Hause. In einem langen schmerzhaften Erkenntnisprozess erlebte sie die Perversion der kommunistischen Idee in der Realität.

Kapitel 2

Plan und Gegenwart

Film: Sequenzen

Am 19. März 2018 um 18.45 Uhr/ Rumänische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

SEQUENZEN wird als fünftbester unter den rumänischen ‚Top Ten’- Filmen geführt und hat die Regisseure der aktuellen rumänischen Filmlandschaft, wie u. a. Cristi Puiu, stark beeinflusst. Er beschreibt in drei Teilen, teils dokumentarisch gefilmt, das Alltagsleben in Rumänien zu Beginn der 1980er-Jahre.

 

Kapitel 3

Autoritäre Gesellschaft : Anpassungsdruck und Absurdität

Film: Schimmernde Winde

Am 05. Februar um 18.45 Uhr/ Ungarische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Zu Zeiten der Studentenrevolte im Westen greift in Ungarn Miklós Jancsó auf die frühen Jahre der jungen ungarischen Volksrepublik zurück. Auch damals gab es harte ideologische Auseinandersetzungen unter den Studenten, die unterschiedlich radikal ausgefochten wurden. In dem für ihn typischen visuellen Stil choreografierter Massenbewegungen macht er den Diskurs sinnlich wahrnehmbar, prallen die gegnerischen Gruppen auf einander, ziehen sich an und stoßen sich ab.

Film: Alle guten Landsleute

Am 12. Februar um 18.30 Uhr/ Tschechische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Umbrüche wie Kriegsende, kommunistischer Machtübernahme und Kollektivierung der Landwirtschaft erzählt dieser 1969 in Cannes mit dem Preis für die beste Regie preisgekrönte Film die dramatischen Schicksale der Bewohner eines mährischen Dorfes, die in den Jahren 1945 bis 1958 mit staatlicher Willkür und Grausamkeit in Konflikt geraten.

Film: Ein Fall für den Henkerslehrling

Am 19. Februar 2018 um 18.30 Uhr/ Tschechische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Der frei nach Jonathan Swifts satirischem Roman „Gullivers Reisen“ gedrehte Film führt den Helden mit viel Sarkasmus in das seltsame Land Balnibarbi, das den absurden Alltag in einer Diktatur spiegelt. Die Menschen hier interessieren sich nicht mehr für die Wahrheit, lieber befolgen sie absurde Regeln und leben ihr gewohntes Leben in Selbsttäuschung und Lüge weiter.

Kapitel 4

Staaten im Staat : Die geheimen Seiten des Systems

Film: QUOD ERAT DEMONSTRANDUM

Am 26. Februar um 18.30 Uhr/ Rumänische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Unter die Haut gehende Darstellung der Lebensumstände während der Ceausescu-Zeit. Der Film zeigt sehr eindrucksvoll die allgegenwärtig vorherrschende Furcht, durch falsche Äußerungen oder Verhaltensweisen in Schwierigkeiten zu geraten, das berufliche Fortkommen zu verhindern oder sogar im Gefängnis zu landen.  

Kapitel 5

Ironie und Schicksal : Satire als Gegenwartsbewältigung

Film: Der Redner

Am 04. Februar um 17 Uhr/ Russische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Die Errichtung der Sowjetmacht in Usbekistan und die Zwangsbefreiung der muslimischen Frauen von der  Verschleierung wird in Yusup Razykovs Film auf groteske Art und Weise offenbar. Er schildert mit viel Ironie und Empathie die Zerrissenheit der Menschen zwischen der neuen bolschewistischen Ideologie und traditionellen islamischen Werten.

Film: Der Zeuge

Am 05. März um 18.30 Uhr/ Ungarische Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Eine Filmsatire über die Mechanismen politischer Machtausübung zur Zeit des Stalinismus in Ungarn. József Pelikán, ein einfacher Deichwächter, soll benutzt werden, um seinen zum Minister avancierten Jugendfreund Dániel aus dem Weg zu räumen. Um Pelikán gefügig zu machen, betraut man ihn mit Aufgaben, an denen er scheitern muss, und ihm dieses Scheitern als Sabotage aus. Solchermaßen Weise „bearbeitet“, steht er unversehens als Zeuge der Anklage vor Gericht und scheitert erneut.

Kapitel 6

Ideale und Idealisierung : Ost – West – Vergleiche

Film: THE WOLF FROM ROYAL VINEYARD STREET

Am 12. März 2018 um 19 Uhr/ Original Sprachfassung mit englischen Untertiteln

Mit seinem letzten Film inszeniert der im März 2016 verstorbene Jan Němec, einer der Wegbereiter der tschechoslowakischen „Neuen Welle“, eine selbstironische Rückschau auf sein Leben. Im Fokus steht das Filmfestival Cannes 1968, auf dem drei tschechoslowakische Filme um die in Aussicht gestellten Preise gebracht wurden, weil politisch links stehende Filmemacher um Jean-Luc Godard den Abbruch des Festivals erzwangen.

Film: Die Reise mit dem Vater

Am 26. März um 18.30 Uhr/ Original Sprachfassung mit deutschen Untertiteln

So nah und doch so fern: Nachdem die Truppen des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei einmarschieren, wird die Reise einer rumäniendeutschen Familie in die DDR zur Odyssee durch Deutschland-Ost und Deutschland-West und die Wirren unterschiedlicher pro-sozialistischer Ideologien. Eine persönliche Erfahrung.